Abbas: «Netanjahu nutzt die Entführung als Vorwand, um Soldaten zu entsenden»

Abbas: «Netanjahu nutzt die Entführung als Vorwand, um Soldaten zu entsenden»

Jerusalem (dpa/dtz) – Israel hat mehr als 50 Palästinenser wieder festgenommen, die vor knapp drei Jahren bei einem großen Gefangenenaustausch freigekommen waren. Fast eine Woche nach dem Verschwinden von drei jüdischen Jugendlichen setzte Israel die Massenfestnahmen im Westjordanland fort.

«Wir befinden uns mitten in einer breiten Militäroperation», sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwoch. Die israelische Nachrichtenseite «Walla» berichtete, die Jerusalemer Stadtverwaltung habe den Bau von 172 weiteren Wohnungen in der Siedlung Har Homa gebilligt. Ein Sprecher der Stadtverwaltung konnte sich zu dem Bericht nicht unmittelbar äußern.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warf Netanjahu vor, dieser nutze die Entführung als Vorwand, Soldaten in das von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierte Gebiet zu entsenden, obwohl die Entführung in der von Israel kontrollierten Zone stattgefunden habe. Die palästinensische Polizei arbeite in dem Fall mit Israel zusammen, «weil sie (die Entführten) menschliche Wesen sind und wir menschliches Leben schützen wollen», sagte Abbas am Mittwoch bei einer Versammlung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in der saudischen Stadt Dschidda.

Obwohl sich bislang keine Palästinenserorganisation zu der Tat bekannt hat wirft Israel der Hamas vor, hinter der Entführung zu stehen. «Wir kämpfen mit aller Macht gegen den Terror, und Hamas wird weiter einen hohen Preis für die Entführung von Ejal, Gilad und Naftali zahlen», sagte Netanjahu. Die Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren, die eine jüdische Religionsschule in einer Siedlung besuchten, werden seit Donnerstagabend vermisst.

In der Nacht zum Mittwoch nahm die Armee nach eigenen Angaben im Westjordanland weitere 65 Palästinenser fest. Darunter seien 51 Männer, die 2011 im Austausch für den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren. Insgesamt hatte Israel damals mehr als tausend Palästinenser freigelassen.

Seit der Entführung der Religionsschüler am Donnerstagabend seien 240 Palästinenser festgenommen worden, hieß es in der Mitteilung der Armee weiter. Rund 800 Häuser wurden bei Razzien durchsucht. Die Armee geht im Rahmen der Operation «Bruders Hüter» auch gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vor.

Am Dienstag hatte das Sicherheitskabinett von Netanjahu eine Verschärfung der Haftbedingungen für Hamas-Mitglieder beschlossen. Unter anderem werde erwogen, Familienbesuche zu reduzieren, elektrische Geräte in den Zellen abzubauen und Häftlinge von Gefängniszellen in Zeltlager zu verlegen, berichteten israelische Medien am Mittwoch. Fernseher sollten aus den Zellen genommen werden, so dass die Häftlinge die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien nicht mitverfolgen könnten, hieß es.

 

Israelische Armee bei Twitter

Stellungnahme von Addameer

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